12. bis 15. September 2019

Die Dorf- und Marktgeschichte von Großmühlingen und dem Pflaumenkuchenmarkt

Der älteste Fund, der bei Ausgrabungen in Großmühlingen gemacht wurde, ist eine Speerspitze aus hellgrauem Feuerstein der mittleren Steinzeit 8000-4500 vor unserer Zeitrechnung. Über Jahrhunderte war das Gebiet um Großmühlingen dicht besiedelt. Der fruchtbare Bördeboden mit einer Bodenwertzahl von 100 bot günstige Voraussetzungen für die slawischen Stämme, hier sesshaft zu werden.

Ersterwähnungsurkunde von 936

Die jüngere Geschichte von Großmühlingen beziehungsweise Mulinga beginnt mit der ersten urkundlichen Erwähnung vom 13.September 936. Dieser Urkunde ist zu entnehmen, dass Otto der I., der 962 vom Papst in Rom zum Kaiser gekrönt wurde, den neunten Teil der Flur Großmühlingens dem von seiner Mutter Mathilde neugegründeten Nonnenkloster in Quedlinburg schenkte.

Ab 936 verwaltete der Graf Gero, der spätere Markgraf, die Grafschaft Mühlingen, dessen Geschlecht 1034 erlosch. Der Graf als königlicher Beamter hielt hier Gericht ab – sein Gerichtssprengel umfasste die Ortschaften zwischen Sülze, Elbe, Saale und Bode.

Durch das Erlöschen des Geschlechts des Markgrafen Gero fiel die Grafschaft Mühlingen durch Verfügung des Königs als Lehen den Askaniern zu. Albrecht der Bär übergab 1140 die Grafschaft an die Edlen von Gablenz (Dornburger) – nach ihrem Aussterben fiel das Lehen an die Arnstedter (Barbyer) – diese nannten sich etwa 1920 Grafen von Mühlingen und Barby.

Um 1233 gehörte der Verfasser des „Sachsenspiegels“ – Eike von Reppichau (Repkow) zur Geschichte Großmühlingens und lebte wahrscheinlich einige Zeit hier.

1318 wurde das Schloss im Zuge eines Streites zwischen dem Grafen Albrecht von Mühlingen und dem Erzbischof Burchard von Magdeburg zerstört. Mit Hilfe der Bürger von Magdeburg aber, wurde die Burg anschließend besser und fester als Wasserburg wieder aufgebaut.

Kriegerische Auseinandersetzungen, Plünderungen in den Jahren des 30-jährigen Krieges und die Pest, die 1682 hier wütete, machte den Einwohnern sehr zu schaffen. Von den damals 320 Einwohnern starben 134. Die Bauern des Ortes sicherten über die Jahrhunderte mit viel Kraft und Lebenswillen den Weiterbestand des Dorfes.

Im Jahre 1828 wurde unserer Gemeinde das Marktrecht verliehen. Seitdem findet im ersten Viertel des Monats September der Vieh- und Krammarkt – heute bekannt als Pflaumenkuchenmarkt - statt.

Kohleabbau in Großmühlingen

Ab 1847 wurde in Großmühlingen Kohle abgebaut. Die erste Kohlengrube „Herzog Alexander Karl“ wurde eröffnet. Vier weitere Gruben entstanden und zirka 400 Bergleute waren in Lohn und Brot. Durch das ständig steigende Grundwasser wurde die Förderung unrentabel und die Gruben stillgelegt (Die Letzte um 1902). Nach der Schließung der Kohlegruben entstanden Senken auf den Ackerflächen und um 1905 die Barsdorfer Teiche. Dort hatte der damalige Besitzer, der Konsul Adam aus Magdeburg, um 1936 den Grundstein für einen Naturschutzpark gelegt. Heute ist dies ein Biotop. Die Folgen des Bergbaus sind auch heute noch unübersehbar. Anfang der 90er Jahre wurden die Schächte im Auftrag des Bergamtes verfüllt. Vor den Barsdorfer Teichen war 1931 eine Badeanstalt erbaut worden, die durch Quellwasser gespeist wurde. Geschlossen wurde die Badeanstalt im Jahr 1995.

Pastor Friedrich Loose und seine Chronik

Portrait von Friedrich Loose

Am 28.Juni 1936 wurde im Rahmen der 1000 Jahrfeier der Gedenkstein für Pastor Friedrich Loose an der Schule enthüllt. Diese Ehrung sollte als Zeichen aufrichtiger Dankbarkeit gewertet werden für die Nachforschungen in der Heimatgeschichte von Großmühlingen und der näheren Umgebung. Friedrich Loose lebte von 1853 bis 1930 und war Pfarrer und Heimatforscher. Aus der handschriftlichen Chronik von Friedrich Loose wurde die Geschichte der Höfe und Häuser unseres Ortes erforscht und ist seitdem auf Objekttafeln an den Häusern und Höfen nachzulesen.

Interessante Weblinks:
Zeittafel von Friedrich Loose >>
Informationen zum Sonderband "Mega Mulinga" >>
Mehr zum Projekt "Mega Mulinga" lesen >>

 

Großmühlingen zur Zeit der Wende

Alte Postkarte von Großmühlingen

Zur DDR-Zeit war Großmühlingen vor allem landwirtschaftlich geprägt. Ackerbau auf dem wertvollen Bördeboden und Viehzucht in der damals neu gebauten Milchviehanlage zwischen Groß- und Kleinmühlingen. Heute befindet sich hier eine Ferkelzucht- und Schweinemastanalge – betrieben von holländischen Landwirten.

Bereits in den 70er Jahren wurden Wasserleitungen in Großmühlingen verlegt und die Grundstücke angeschlossen – eine enorme Erleichterung. Nach der politischen Wende, bereits 1991 kamen Abwasserrohre in die Erde und der Straßenausbau begann. Dies erfolgte zum Teil mit Fördermitteln des Landes und auf der Grundlage der bestehenden Satzungen.

 

Das Renaissance-Schloss Großmühlingen

Renovierung des Renaissanceschloss Großmühlingen

Das Schloss der Mühlinger Grafen war ab 1982 die Heimstätte der Großmühlinger Ortsgruppe des Kulturbundes. Die Mitglieder hatten es unter der Leitung von Hugo Möbius in jahrelanger freiwilliger Arbeit zu einem Schmuckstück hergerichtet. Die kulturellen Veranstaltungen - Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und die liebevoll gestaltete Heimatstube trugen dann auch die Handschrift von Gabriele und Gerald Gödecke. Diese Veranstaltungen waren weit über die Kreisgrenzen des damaligen Landkreises Schönebeck hinaus bekannt und beliebt. Anfang der Neunziger Jahre kam das Schloss nach einer Ausschreibung des Landes Sachsen-Anhalt in Privatbesitz.

 

Mehr zur Geschichte von Großmühlingen erfahren Sie im umfangreichen Wikipedia-Artikel von Großmühlingen.

Fotos von vergangenen Pflaumenkuchenmärkten in Großmühlingen zeigen wir Ihnen unter der Rubrik Fotos.



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